SPIRITUELLE STOLPERFALLEN: DIE SPIEGELFALLE
- Aurora

- 16. Mai
- 7 Min. Lesezeit
- wenn Bewusstsein zur Selbstentmachtung wird -
In der spirituellen Szene gibt es kaum einen Satz,
der so oft wiederholt wird wie dieser: „Alles, was dir begegnet, ist dein Spiegel.“
In einer gesunden, differenzierten Form kann darin tatsächlich ein wahrer Kern liegen.
Aber in der Absolutheit wird daraus etwas ganz anderes –
etwas, welches das Potenzial inne hält,
uns am Ende tatsächlich auch sehr schaden zu können.
Dieser Satz trägt auf den ersten Blick Weisheit in sich und kann in bestimmten Momenten sogar hilfreich sein. Und doch ist er in seiner absoluten Form eine der größten Fallen.
Denn wie schon so oft in der Menschheitsgeschichte geschehen,
ist nicht die Idee an sich das Problem, sondern Das, was daraus gemacht wurde.
Ursprünglich beschreibt das Spiegelprinzip etwas sehr Einfaches,
nämlich, dass Begegnungen eigene innere Themen sichtbar machen KÖNNEN.
Und das beispielsweise auch Reaktionen oft mehr über uns selbst aussagen, als über das Gegenüber.
So bietet sich hierbei dann auch die Möglichkeit zur Selbstreflexion und in diesem Rahmen bewegt,
ist das Spiegelprinzip ein nützliches Werkzeug.
Doch es beginnt sich genau da an der Stelle auch oftmals zu verzerren,
nämlich genau da,
wo daraus eine Art universelles Gesetz gemacht wird.
Denn wenn aus dem
“Manches kann ein Spiegel sein“
ein
“Alles ist dein Spiegel - immer“,
gemacht wird - dann wird es doch kritisch.
Ganz genau da kippt es, denn in dem Moment,
in dem diese Idee als absolut gesetzt wird, verschwindet doch dann jede Differenzierung.
Und genau das bringt dann fatale Konsequenz mit sich und zwar die der
Selbstschuld statt - die der Klarheit.
Wenn wirklich alles unser Spiegel sein soll,
dann sag mir doch bitte mal - wo gibt es dann noch Raum für Unterscheidung?
Dann wird doch letztendlich jedes Verhalten - egal welcher Art - stets auf uns selbst zurückgeführt.
Und was ist dann bitte mit:
Missbrauch.
Gewalt.
Manipulation.
Grenzüberschreitungen?
Alles wird zu etwas, das angeblich mit uns selbst zu tun hat.
Und auch wenn es selten so direkt ausgesprochen wird,
liegt die Botschaft darunter doch irgendwie offensichtlich dargelegt:
Wir haben es selbst angezogen.
Wir sind dann mitverantwortlich.
Wir sollten bei uns selbst schauen.
Was uns also da als Bewusstsein teilweise verkauft wird,
führt in Wahrheit oft zu etwas ganz Anderem: Selbstschuld.
Und damit verlieren wir genau das, was wir eigentlich gewinnen sollten - Klarheit.
Gerade für sensible Menschen, welche ohnehin dazu neigen Verantwortung zu übernehmen,
erachte ich das als besonders gefährlich.
Diejenigen von uns, welche emphatisch fühlen, reflektiert sind,
wachsen wollen und bereit sind sich selbst zu hinterfragen.
Vor allem diese Menschen nehmen solche Aussagen oftmals sehr ernst.
Da wo eigentlich eine klare Grenze gezogen werden sollte,
beginnen sie doch dann tatsächlich damit sich selbst zu prüfen.
An diesem Punkt durfte ich mich dann schon öfter selbst erfahren und
konnte das auch zu Hauf im Außen beobachten,
wie doch dann tatsächlich das eigene Erleben infrage gestellt wird.
Wie Schmerz relativiert wird, wo eigentlich Schutz wichtig wäre.
Und dann entsteht eine stille, oft unbemerkte Verschiebung,
das Bewusstsein richtet sich gegen den eigenen Menschen.
In dieser Verschiebung geht uns dann etwas sehr Wesentliches verloren,
nämlich die Fähigkeit,
die Realität bzw. Wahrheit klar zu erkennen.
Denn nicht alles was geschieht ist meines Erachtens nach neutral und vor allem ist nicht alles eine Einladung zur Selbstreflexion.
Salopp herunter gebrochen, ganz nüchtern betrachtet und von meiner frechen,
rebellischen Seite formuliert, welche nunmal auch ein Teil von mir ist - sage ich Dir in all meiner Klarheit:
Manchmal hat schlichtweg nur das Gegenüber einen Furz quer sitzen!
was dann wiederum nicht das Geringste mit uns selbst zu tun hat -
sondern wirklich nur sein ganz eigenes Problem ist!
Wohlmöglich weil das Gegenüber sich vielleicht eben einfach sehr schlecht ernährt hat!
Wo auch immer die Ursache für die körperlichen oder mentalen Schwierigkeiten liegen -
es gehört dort hin und nicht zu uns.
Ernsthaft: Es gibt nunmal Handlungen,
die sind eben übergriffig,
die sind verletzend,
die sind manipulativ und auch möglicherweise sind sie grenzüberschreitend.
Und diese Reaktionen haben zunächst einmal nichts mit “Spiegeln“ zu tun -
sie sind ganz einfach, was sie sind.
Am Ende des Tages,
trägt jeder selbst die Verantwortung dafür,
wie er mit seinen Emotionen und seinem Nächsten umgeht.
Klar, wie bereits vorweggenommen, könnte ich vielleicht in meinen Reaktionen noch einiges über meinen derzeitigen ganz eigenen Gemütszustand erfahren.
Ich nenne Dir ein Beispiel:
Jemand rammt mir ohne Vorwarnung beim Einkaufen seinen Wagen von hinten in meine Beine und schreit mich dann auch noch an. Anmaßend wie er ist, besitzt dieser Jemand dann noch obendrauf die Dreistigkeit mich dabei lauthals anzubrüllen, dass ich doch nicht so blöde in seinem Wege stehen soll.
Wenn ich mich also darauf einlasse, es mir nicht gelingt in Ruhe zu reagieren und ich wohlmöglich ausflippe, anfange zu streiten, zu schreien und das Ganze eskaliert,
dann wüsste schon mal für mich selbst reflektiert, dass ich momentan wohl auch nicht so ganz bei mir bin.
Denn andernfalls, würde ich klar erkennen,
dass dieser Mensch offensichtlich auch aus seiner Mitte geraten ist und das was auch immer da gerade in seinem Leben falsch läuft,
absolut nichts mit mir zu tun hat.
Und so stehe ich doch lieber da drüber -
statt auch noch Öl ins Feuer zu gießen.
Was bitte nicht bedeuten soll, dass ich mir stets alles gefallen lasse.
Doch dieses mit nichts und Niemanden in den Widerstand zu gehen,
das ist eine andere Stolperfalle,
welche ich vielleicht noch alleinstehend für sich aufgreifen werde..
Also wenn ich doch wirklich ganz bei mir bin und in meinem innerlichen Gleichgewicht ruhe,
dann habe ich auch überhaupt nicht das Bedürfnis bei sowas mitzumachen.
Komme ich wieder zurück:
Wenn also alles spirituell umgedeutet wird, verlieren wir den Zugang zu der einfachen und klaren Wahrheit, dass es möglicherweise beim Gegenüber liegt und nicht bei uns selbst.
Wachstum kann doch auch bitte nicht nur bedeuten,
alles immer auf sich selbst zu beziehen - sondern bitte auch unterscheiden zu können.
So wäre meines Erachtens nach eine klare, sowie auch gesunde Haltung zu sagen:
Wir sind verantwortlich für unsere Reaktionen.
Für unseren Umgang.
Für unsere Heilung.
Jedoch sind wir nicht verantwortlich für das Verhalten Anderer.
Und sowieso nicht für das, was uns angetan wurde.
Oder noch klarer: Wir tragen Verantwortung für unser Innen –nicht für die Handlung eines Anderen.
Beides zu trennen ist kein Rückschritt - es ist Reife.
Ich glaube diese Falle ist so verbreitet, weil sie gleich mehrere Funktionen erfüllt.
Schau mal, sie gibt Menschen ein Gefühl von Kontrolle.
Es scheint irgendwie einfacher, denn wenn alles ein Spiegel ist - dann ist es auch veränderbar.
Und in Wahrheit - das ist das Fatale - können wir es dann letztlich doch nicht verändern,
weil es ja in Wahrheit uns überhaupt nicht gehört.
Na, bei dem Ganzen kann einem schon mal schwindelig werden..
Diese Spiegelfalle, wirkt dann auch so manches mal “hoch“ bewusst und auch überlegen,
denn wer so denkt, fühlt sich oft “weiter“ als Andere.
Manchmal findet sich darin auch insgeheim der Wunsch danach,
den Selbstwert zu nähren,
sich eben besonders zu fühlen.
Und Hand aufs Herz,
in dieser Welt in der wir leben,
mangelt es fast jedem daran bzw. hat das jeder schon mal irgendwo durchgemacht,
dass am Selbstbild gerüttelt wurde.
Selbstzweifel lagen schon seit der Wiege parat und spätestens in Institutionen wie Kita und Schule,
haben wir damit bekanntschaft gemacht.
Mangelnder Selbstwert stammt ausgelöst von einem selbst oder auch durch jemanden im Außen.
Dann dürfen wir meiner Ansicht nach lernen,
dass ausschließlich wir selbst uns diesen Wert beimessen dürfen.
Ich rede von dem Gefühl genug zu sein, gut genug,
genau richtig wie man eben wirklich ist und dementsprechend dann auch liebenswert.
So vermeidet diese Falle doch etwas sehr Konkretes: die Auseinandersetzung mit realen Dynamiken.
Dann wenn es beispielsweise im Außen um Macht, Grenzen,
Verantwortung und Trauma geht bzw. es doch von dort kommt -
wie lange wollen wir dann eigentlich bei uns suchen.
Das kann tief gehen und auch schlimme folgen mit sich bringen.
All das wird umgangen, gar ausgeblendet- indem alles nach innen verlagert wird.
Und manchmal – bewusst oder unbewusst –wird genau diese Stolperfalle auch genutzt,
um eben die Verantwortung nicht dort zu lassen, wo sie eigentlich in Wahrheit hingehört.
Ich möchte damit keinesfalls sagen, dass die sogenannte Spiegelarbeit an sich falsch ist.
Wer mich kennt, weiß - ich bin überhaupt nicht in der Lage nur in Schwarz und Weiß zu denken.
Im Gegenteil - sie kann auch wertvoll sein.
Doch meiner Meinung nach nur, wenn sie nicht als absolut gesetzt wird.
Natürlich könnten wir uns selbst in einer reifen Form der Spiegelarbeit fragen,
was die Gegebenheiten bei uns auslösen,
warum es uns so stark berührt und wir könnten schauen,
ob es bei uns alte Muster gibt, die da gerade aktiviert werden..
Ich finde wir dürfen nicht von Grund auf automatisch davon ausgehen,
dass absolut alles im Außen generell unser eigenes Thema ist.
Jetzt habe ich noch einen Punkt für Dich: Wie wäre es - wenn einfach beides gleichzeitig existiert?
Innere Bewegung und äußere Realität.
Reflexion und klare Abgrenzung.
In den gängigen Aussagen des Spirituellen Konzeptes, sehe ich also nicht die einzelnen Sätze als das Problem - sondern das sie als allgemeingültig angewendet werden.
Wie ich es zuvor ausführlich beschrieben habe.
So dürfen wir wohl genauer hinsehen, wenn es beispielsweise heißt:
Alles ist (d)ein Spiegel -
du hast es selbst angezogen -
wenn dich was triggert, hat es mit dir zu tun -
das Universum will dir etwas zeigen..
Genau durch solche Verzerrungen entsteht innerlich enormer Druck.
Und viel schlimmer, öffne gern nun Dein Herz und spüre Dich hinein in meine Aussagte:
Wenn ein Mensch sich selbst immer weiter hinterfragt,
während er andere immer mehr versteht - verliert er sich doch selbst zunehmender.
Vielleicht ist die Spiegelfalle keine bewusste Täuschung im klassischen Sinne.
Manchmal wird sie dennoch sehr wahrscheinlich auch so genutzt.
Möglicherweise entstand sie aus einer Idee, die einfach aus dem Gleichgewicht geraten ist.
Doch dies könnte ebenso ein ziemlich romantischer Gedanke sein,
wenn man sich den spirituellen “Markt“ mal genauer ansieht.
Denn da, in ihrer absoluten Form führt sie uns weg von Dem,
was sie eigentlich verspricht.
Und so entsteht keine Klarheit - sondern Verwirrung.
Keine Selbstermächtigung - sondern Selbstzweifel.
Wahre Entwicklung bedeutet doch nicht, dass wir alles auf uns beziehen.
Wenn Du mich fragst, geht es darum erkennen zu können: Was gehört zu mir - und was nicht.
Ich für mich fühle:
Bewusstsein ist nicht, uns in Allem zu suchen.
Sondern uns dort zu erkennen - und uns dort zu lassen - wo wir hingehören.
Ganz bei uns selbst.
Wie immer entspricht dies alles natürlich ausschließlich meiner eigenen Wahrnehmung.
Nimm Dir was Dich inspirieren darf.
Möge das was von mir von Herzen stammt - dem höchsten Wohl dienen.
In Liebe Aurora



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