Über das Geben und das Nehmen.

Im Verlaufe meines Seins, um genau zu sein als Jugendliche,
wurde es mir recht schnell klar: Ich gebe gern.
So richtig bewusst wurde mir das, weil ich irgendwann an einen Punkt gelangt war, an dem ich mich selbst darin hinterfragt habe.
Es ging wohl mit einer Enttäuschung zusammen einher, weil das Geben und Nehmen sehr intensiv aus dem Gleichgewicht geraten war.
Ich war schon immer sehr großzügig.
Selbstlos verschenkte ich meine Zeit, Aufmerksamkeit,
meine Hilfe und was ich sonst noch so alles zu geben hatte.
Meist verzichtete ich in vielen Dingen und auch auf diese Art gab ich dann.
Als Kind reichte ich sogar das letzte Bonbon aus der Tüte auch lieber weiter.
Wenn ich so recht überlege, dann war das, weil ich mich sonst dabei schlecht gefühlt hätte,
obgleich die Tüte mit dem bunten Zuckerschock doch eigentlich mir gehörte.
Es hat mir jedoch auch einfach immer selbst eine enorme Freude bereitet,
wenn ich zu dem Glück Anderer beitragen konnte.
Und das hat sich bis heute dann vielleicht in mancher Hinsicht in der Gestaltung an sich und in dem Ausmaß etwas verändert, doch vom Kern her, bin ich mir da absolut treu geblieben.
Denn das bin nunmal ich und meine Natur.
Wenn wir geben,
erhalten wir meist direkt etwas zurück oder wir dürfen daran teil haben.
Denn durch eine gute Tat, entsteht eine ganz wundervolle Schwingung im Feld.
Und dieses wohlig warme Gefühl, der Freude, der Glückseligkeit und Dankbarkeit des Gegenübers,
erreicht uns ja schließlich auch.
Und nein, das ist kein esoterisches Chichi, sonder Physik - also ist es messbar.
Meist empfinden wir uns als “angesteckt“,
beispielsweise von einem herzhaften Lachen,
von der Freude von Mitmenschen oder wir werden auch innerlich tief berührt,
wenn jemand gerade schwerer trägt.
Dieses Mitfühlen, das Wahrnehmen der Emotionen - das ist eine Feldlesung.
Vielleicht kennst Du das auch daher,
wenn Dich jemand versucht auf eine andere Fährte zu bringen.
Zum Beispiel erzählt Dir jemand Nahestehendes,
dass momentan im Leben alles in Ordnung sei,
doch Du spürst genau, dass dem nicht so ist.
Dieses Fühlen bzw. was wir da fühlen können - das ist die Frequenz des Anderen.
Das kann jeder von uns.
Die Kunst darin ist, den Freund im Oberstübchen namens Verstand außen vor zu lassen und dabei wirklich nur zu spüren.
Doch ich versuche mal jetzt die Kurve wieder zurück zum Thema zu bekommen.
Ich war gerade dabei, dass sich das Geben für einen selbst auch schön anfühlt,
wenn man die Freude des anderen teilt..
Und dennoch war dies nie mein Antrieb, anderen zu helfen.
Dabei gab es für mich überhaupt keine Intension,
die hätte dann wohl auch einen berechnenden Beigeschmack - zumindest für mich.
Nein, da war überhaupt keine Absicht oder gar Motivation dahinter.
Zum Beispiel die, vielleicht ein anständiger oder guter Mensch sein zu wollen oder gar sein zu müssen.
Im Gegenteil,
da war im Vorfeld nie irgendeine Art von bewusster Planung.
Denn die Aufträge hierfür kamen immer direkt vom Chef - dem Herzen.
Und diese Aufträge gingen stets blitzschnell ohne Umwege durch,
also wurde da dementsprechend nicht groß nachgedacht - da wurde direkt gehandelt.
Nun könnte man meinen,
vielleicht ergeht es Dir da ebenso,
dass ein großes Herz zu haben etwas wunderschönes ist und
nicht irgendwo ein Problem.
Doch es wird irgendwann zu Einem.
Nämlich genau dann, wenn dieses riesige Herz keine Grenzen kennt.
Ich hab für mich festgestellt, dass Menschen mit großem Herzen stets Wärme,
Verbindung und echte Qualität mit sich bringen.
Jeder kennt das - diese Herzen erwärmen alles um einen herum.
Wenn diese Menschen mit ihrer Herzlichkeit Räume betreten,
dann strahlt das bei ihnen aus jeder Zelle heraus.
Wenn Du mich fragst braucht es dann in der Nähe beinahe
keine alternative Lichtquelle mehr.
Und diese Qualität und Herzenswärme tragen sie natürlich überall mit sich und bringen sie dann dementsprechend auch in jede Art von Beziehung.
Als ich noch in meiner Jugend war,
reflektierten mir das allem voran meine Freunde,
Das ich auch so eine leuchtende Kandidatin bin.
Jedoch auch Außenstehende sagten mir dies oftmals gleich auf Anhieb,
dass ich ein gutes Herz hätte und dabei hoben sie es so hervor,
als wäre es keine Selbstverständlichkeit.
Mir war die wirkliche Bedeutung lange nicht klar,
denn für mich fühlte es sich damals nicht nach einer Besonderheit an und das obwohl ich doch in diesem Lebensabschnitt bereits so viel Bekanntschaft,
mit dem Gegenteiligen gemacht hatte.
Ich jedoch für mich lebte es als einen mir von Natur aus gegebenen Teil,
sprich ich bemerkte es überhaupt nicht.
Gut als Jugendliche war ich ohnehin noch mit tonnenschweren Gepäck durchs Leben unterwegs und dieses beinhaltete unter anderem auch,
dass mir die liebsten bzw. nahestehenden Menschen von klein auf eher damit beschäftigt waren mir aufzuzeigen,
worin ich doch eher nicht liebenswert und
gar so überhaupt nicht in Ordnung geraten war.
Somit hatte ich stets eher meinen Fokus bei mir selbst auf all
meine Fehler und dem geringen Selbstwert gerichtet.
Da war es oft eher für mich schwierig anzunehmen,
wenn mir jemand sagte,
ich sei in irgendeiner Richtung besonders, liebevoll oder gar schön.
In meinem weiteren Verlauf des Lebens durfte ich erkennen,
das ein “großes Herz“ inne zu halten keine Schwäche bedeutet -
nein, es ist Fähigkeit.
Denn es sieht oft mehr als andere,
gerade auch wenn es um Bedürfnisse,
Stimmungen und all die Zwischentöne geht.
Wenn wir genauer hinschauen, dann halten diese Herzen oftmals Räume,
wo Entwicklung überhaupt erst möglich ist.
Sie geben ohne immer sofort zu rechnen,
was anderen wiederum Sicherheit schenkt.
Doch das Problem ist auch nicht das Geben an sich,
sondern oft die fehlende Klarheit dabei.
Denn wenn ich eines für mich in meinem weiteren Lebensweg begriffen hatte,
dann war es das, dass es da auch Unterschiede im Geben und im Nehmen gibt.
Die Einen geben aus der Fülle heraus und manche aus dem Bedürfnis und die Einen nehmen aus Dankbarkeit und Andere wiederum nehmen aus Anspruch.
Kurz:
Geben, weil man es einfach hat,
kann und dieses wiederum auch einfach gern tut - ist das Eine.
Oder man gibt, weil man sich selbst davon etwas verspricht.
Zum Beispiel weil man selbst im Mangel ist.
Und diese Lücke wird dann durch das eigene Geben versucht zu füllen.
Dabei kann das Ganze dann auch in eine fiese Richtung für den Geber kippen,
weil das Geben somit an Erwartungen gekoppelt ist.
So nach dem Motto: Ich gebe so viel - warum kommt nichts zurück?
Das wäre dann bewusst.
Doch,
dann gibt es da ja auch noch das Unbewusste..
Das entdeckte ich irgendwann später,
als ich schon einige zeitlang den Jugendlichen Part meines Lebens hinter mir gelassen hatte.
Während ich für mich nie beabsichtigt hatte, irgendwas für meine Großherzigkeit im Gegenzug zu wollen und es einfach genoß Menschen um mich herum glücklich zu machen, war da tief in mir drin etwas,
was doch für mich zunächst heimlich und unbemerkt mitmischte.
Ich hatte für mich zwar offensichtlich an andere als Gegenleistung keine Erwartungshaltung -
dennoch war ganz tief in mir ein Teil der suchte.
Und das überall und jederzeit.
Es war der Teil, welcher von Kindheit an auf Liebesentzug war.
Und ganz gleich ob manch einer von uns bereits mehr davon hatte oder weniger -
wir alle möchten geliebt werden.
Und diese Sehnsucht kann für uns oftmals auch zum Verhängnis werden.
Denn dabei werden dann eigene Grenzen übergangen,
erst leise und daraus kann dann schnell ein Dauerhaft werden.
Für Einige wird es dann richtig kritisch,
weil der eigene Selbstwert auch noch mit daran hängt.
Wenn ich dann also nicht gebe, bin ich weniger wert und so wird dann das Geben zur stillen Selbstaufgabe.
Ist das nicht interessant?
Man gibt dann also immer weiter in der Hoffnung voller zu werden und wird dabei jedoch selbst stetig leerer und leerer.
Das ergibt dann eine äußerst einseitige Schieflage in einem eigentlichen Miteinander,
was in Verbindungen jeglicher Art zu Schwierigkeiten führt.
Der Geber bzw. der Herzensmensch gelangt dann dabei in einen echt blöden Strudel.
Zumindest war es bei mir so.
Ich war oft müde, doch ich blieb.
Obwohl mein Körper oft nein sagte, fühlte sich nein zu sagen falsch an.
Ich gab mehr Energie, als zurück kam.
Immer wieder suchte ich Erklärungen für das Fehlverhalten anderer und vermeidete dabei etwas sehr wesentliches:
Nicht jeder Mensch ist fähig einem auf Augenhöhe zu begegnen - das ist ganz nüchtern betrachtet keine Verurteilung - das ist Unterscheidung.
Und während der Herzensmensch darin so seine Hürden findet,
so finden sich an der Stelle jedoch auch diejenigen welche,
die immer wieder gerne nehmen.
Es scheint als würden die Menschen die gerne geben,
da (unbewusst) Signale senden.
So nach dem Motto:
Da ist viel verfügbar,
da wird nicht sofort nein gesagt und
da wird mehr ausgehalten, als es sollte.
Und genau darauf springen so einige an..
Natürlich gibt es auch darin wieder Unterschiede zwischen denen,
welche bewusst ausnutzen,
was wohl die härteste Stufe bedeutet.
Sie saugen permanent bis aufs Letzte aus.
Nehmen bis nichts mehr da ist und lassen den Menschen dann einfach fallen,
sie lassen ihn sozusagen leer zurück,
weil es ja nichts mehr zu holen gibt.
Nach den “Alles-nehmern“ folgen dann denjenigen,
welche einfach auch emotional unreif sind und letztlich jene,
welche selbst einfach im Mangel sind und es wohlmöglich selbst nicht anders gelernt haben bzw.
einfach nicht besser wissen.
Und auch das ist kein Urteil, sondern (m)eine nüchterne Realität.
Somit war meine einstige Erkenntnis,
dass ein großes Herz ohne Grenzen zur Kraftlosigkeit führt und ein großes Herz mit klaren Grenzen Kraft schenkt.
Und Letzteres dann eben auch für alle Beteiligten.
Es dauerte ein Weilchen, bis ich das für mich begriff.
Ich kann Dir gar nicht sagen,
wie oft ich bis dahin mein “großes“ Herz regelrecht verfluchte.
So schrie ich oft gen Himmel,
dass man mir doch bitte einen Stein einsetzen sollte,
statt diesem schier endlos liebenden Feld,
welches wohl in seiner Existenz und Möglichkeiten weit über die
fleischliche Physis hinaus geht.
Doch mal ab von meinem eigenen Durst nach Liebe,
entsprach es nunmal von Anbeginn meinem Naturell - das bin nunmal ich durch und durch.
Und heute weiß ich darum wie wichtig es ist,
sich genau das zu bewahren.
Die Welt braucht Herzlichkeit.
Jedoch lernte ich für mich auch die Selbstverantwortung dafür zu übernehmen, es zum einen selbst wertzuschätzen und vor allem eben auch selbst zu behüten.
Wenn Du also zu dem Schlag der Herzensmenschen gehörst und Dich irgendwo in meinen Zeilen wiedererkannt hast und Du vielleicht gerade in einigem am straucheln bist, so mag ich einige meiner Erkenntnisse bezüglich des “gesunden“ Gebens mit Dir teilen.
Möge es Dir dienen:
Bitte gib nur, weil Du es willst - nicht weil Du denkst Du müsstest.
Du darfst aufhören und Du darfst nein sagen - ohne schlechtes Gewissen.
Du erwartest nichts - doch Du beobachtest, was zurückkommt.
Pass Dein Verhalten bitte an die Realität an - wahre für Dich das Gleichgewicht.
Noch etwas Entscheidendes:
Liebe bedeutet nicht alles ohne Filter anzunehmen oder alles geben zu müssen - weder noch generell bei allem blind zu bleiben.
In Liebe Aurora




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